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Machen uns Antibiotika anfälliger für Grippeviren?

Machen uns Antibiotika anfälliger für Grippeviren?

Machen uns Antibiotika anfälliger für Grippeviren?

Es wird wieder kälter. Und mit dem Wetterumschwung werden wir wieder anfälliger für Erkältungen und Infektionen. Aber warum ist das so? Warum haben Viren in dieser Jahreszeit ein leichtes Spiel?

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Viren lieben beispielsweise die kalte Luft. Dann sind unsere Schleimhäute durch die beheizten Innenräume so gereizt, dass sie in der Abwehr geschwächt sind. Viren sind auch wandelbar. Sie können sich ständig verändern und unser Immunsystem erneut auf die Probe stellen. Und wäre das nicht genug, sind sie auch noch Überlebenskünstler und können sogar auf Handflächen und Türklinken für eine bestimmte Zeit überleben. 

Aber das ist noch nicht alles. Einen weiteren Grund scheinen nun Forscher vom Francis Crick Institut gefunden zu haben. Denn laut ihnen scheinen Antibiotika unser Immunsystem lahmzulegen. Aber dazu gleich mehr.

➤ Viren gibt es überall da, wo es Leben gibt!

Der Einfluss von Antibiotika auf unsere Gesundheit

Antibiotika galten lange Zeit als das Wundermittel schlechthin. Das führte zu einem missbräuchlichen Verhalten, welches schwerwiegende Folgen mit sich bringt:

1) Antibiotikaresistenzen 
2) massive Darmflora-Störungen

Antibiotika sollen schädliche Bakterien abtöten – und das machen sie auch. Aber leider werden neben den schädlichen auch nützliche Bakterien abgetötet, die wir für ein funktionierendes Immunsystem dringend brauchen. Eine geschwächte Darmflora führt unweigerlich zu einem unzureichend funktionierenden Immunsystem, da sich etwa 80 % des Immunsystems im Darm befinden. Das wiederum bedeutet eine geringere Abwehr gegenüber Erregern wie Viren und Bakterien.

Neue Forschungsergebnisse

In der Studie, die 2019 im Fachmagazin “Cell Reports” erschienen ist, wird berichtet, dass in Tierversuchen die vorgehende Gabe von Antibiotika zu einem signifikant schwächeren Immunsystem und in weiterer Folge zu deutlich schlimmeren Infektionen und Symptomen geführt hat. 

In der Tierstudie wurde beobachtet, dass die Darmflora einen riesigen Unterschied in der Anfälligkeit für Grippeviren ausmacht. Bei den Mäusen, die sich mit einer gesunden Darmflora mit Grippeviren infizierten, überlebten 80 %. Bei den Mäusen, die vorher Antibiotika erhalten hatten und somit über ein geschwächtes Immunsystem verfügten, waren es nur noch ein Drittel.

Aufgrund dieser Ergebnisse wird angenommen, dass auch Menschen, die kürzlich Antibiotika eingenommen haben, beispielsweise aufgrund einer bakteriellen Infektion, anfälliger für Grippeviren sind!

➤ Antibiotika machen anfälliger für Grippeviren!

Wenn die Verteidigung versagt … 

Wie können Viren uns überhaupt gefährlich werden? 

Den Erstkontakt zu Viren haben wir meistens über die Atemluft (Tröpfcheninfektion) und somit über unsere Lungenschleimhaut. Bei einem starken Immunsystem stellt eine intakte Darmflora bestimmte Botenstoffe zur Verfügung, die der Lunge dabei helfen, sich erfolgreich gegen die eintreffenden Viren zu verteidigen. Dabei senden die Darmbakterien ein Signal aus, das die Lungenzellen in Bereitschaft hält und somit verhindert, dass sich das Virus schnell ausbreitet.

Genau das ist der Knackpunkt. In den Forschungsergebnissen des Francis Crick Instituts kommt klar heraus, dass eine vorherige Einnahme von Antibiotika die Lunge schwächt und in Folge anfällig für Grippeviren machen. Und das wiederum macht es unserem Körper so schwer, sich gegen eine Ausbreitung der Viren und somit einer Infektion zu wehren. Laut den Ergebnissen dauert es in etwa zwei Tage, bis die Immunzellen greifen. Innerhalb dieser Zeitspanne kann sich das Virus in der Lungenschleimhaut verbreiten. In der Studie wiesen die mit Antibiotika behandelten Mäuse nach zwei Tagen fünfmal mehr Viren in ihrer Lunge auf als die Mäuse in der Gruppe, die nicht mit Antibiotika in Berührung kamen. 

Eine gute Funktion der Lunge bzw. der Zellen, die die Lunge auskleiden, ist in der Abwehr also entscheidend. Laut den Forschern können sich Viren so entweder vermehren oder eben auch nicht. Die Lunge gilt als erste Verteidigungslinie im Kampf gegen die Erreger. 

Laut den Forschern kann eine missbräuchliche Anwendung mit Antibiotika also nicht nur Antibiotikaresistenzen fördern oder hilfreiche Darmbakterien abtöten, sondern uns auch noch anfälliger für Viren machen.

➤ Unsere Lunge fungiert als 1. Verteidigungslinie!

Nun wissen Sie, wieso Viren uns gerade in dieser Jahreszeit gefährlich werden können und wieso eine Antibiotikatherapie uns zusätzlich schwächt und anfällig macht.

Was können Sie sonst noch für Ihre Gesundheit und zur Stärkung Ihres Immunsystems im ständigen Kampf gegenüber Viren und Bakterien tun? Was stärkt unseren Körper von innen?

Fazit

Besonders jetzt, wenn es draußen wieder kälter wird, sollten wir darauf achten, dass wir unser Immunsystem gezielt unterstützen. Laut den Studienergebnissen können Antibiotika unsere Abwehrkräfte gegenüber Viren massiv schwächen. Achten Sie also darauf, dass Sie Antibiotika wirklich nur dann verwenden, wenn Sie sie unbedingt brauchen, hinterfragen Sie vieles und verwenden Sie sie nur so, wie Ärzte und Heilpraktiker sie verschreiben. Denn leider werden Antibiotika heutzutage immer noch zu häufig und unsachgemäß verschrieben, was gefährliche Resistenzen mit sich bringt. 

Wichtig ist, gerade auch nach Antibiotika-Einnahme, die Darmflora gezielt mit Darmbakterien zu unterstützen und so eine vielfältige Darmflora aufzubauen. Damit stärken Sie Ihre Verteidigungslinie und beugen einer Infektion vor.

Lüften Sie zudem öfter Ihre beheizten Räume um Ihre Schleimhäute nicht noch mehr zu reizen und gehen Sie viel raus. Denn regelmäßige Spaziergänge sind ebenfalls gut für ein starkes Immunsystem.

 

Quellen (in englischer Sprache)

The Francis Crick Institute. (2019, July 2). Antibiotics weaken flu defenses in the lungScienceDaily. Retrieved October 12, 2020

Cell Reports. (2019, July 2). Microbiota-Driven Tonic Interferon Signals in Lung Stromal Cells Protect from Influenza Virus Infection. ScienceDirect, doi.org/10.1016/j.celrep.2019.05.105

 

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